Content-Strategy-Camp 2013: Meine Glanzlichter & wichtigsten Learnings

Ein Barcamp zum Thema Content Strategy. Das war das #cosca13, das am 7. und 8. Juni an der h_da in Dieburg über die Bühne ging. Ganz im Sinne des offenen Formats habe ich viel dazugelernt und auch selbst das eine oder andere eingebracht. Drei inhaltliche Highlights.

Meine Lieblingssession: Adaptive Content

Besonders interessiert hat mich die Session von Ute Klingelhöfer und Monica Rivera, die eine präzise und verständliche Einführung in die Erstellung von modularen Inhalten gaben und aufzeigten, wie Content medienneutral publiziert werden kann.

Ausgangspunkt waren für sie die Content-Silos in der Organisation: Unterschiedliche Abteilungen produzieren mit unterschiedlichen Tools unabhängig voneinander Inhalte. Das führt natürlich zu Inkonsistenzen, schlechter interner Auffindbarkeit und Wiederverwertbarkeit des Content sowie redundanten Arbeitsabläufen, die nicht kosteneffizient sind.

Abteilungssilos von Ute und Monica

Abteilungssilos von Ute und Monica

Das Problem hat für mich zwei Seiten:
(1) Wie kann ich meine internen Arbeitsprozesse effizienter gestalten und zu abteilungsübergreifender Kooperation gelangen? Diese Frage betrifft die „People Components“ der Content Strategy.
(2) Wie kann ich eine Struktur für die Webredakteure schaffen, die es ihnen erlaubt, qualitativ hochwertige, konsistente Inhalte zu produzieren und vorhandenen Content wiederaufzufinden? Diese Frage betrifft die „Content Components“ der Content Strategy.

Das Rezept für strukturierte Inhalte

Ute und Monica diskutierten die zweite Fragestellung: Sie erklärten anhand eines einfachen Rezeptes für ein Butterbrot, wie Adaptive Content funktioniert. Bei der strukturierten Erfassung wird den Inhalten jeweils eine „kommunikative Funktion „zugeordnet (z.B. Module Butterbrotrezept: Titel, Beschreibung Butterbrot, Zutaten Butterbrot, Anleitung Butterbrot, Foto Butterbrot, Servierempfehlung Butterbrot, usw.). Die Elemente hängen jedoch zusammen und haben eine fest vorgegebene Struktur, das heißt, es kann zum Beispiel nicht das Element „Zutaten“ aus dem Butterbrotrezept gelöscht werden.

So kann die Struktur in jedem beliebigen Format publiziert werden. Die formale Mustervorlage wird von den Webredakteuren genutzt, die sie mit Inhalten befüllen. Außerdem versehen sie die Module mit Metadaten, um die interne Auffindbarkeit und Wiederverwendbarkeit der Inhalte zu erleichtern.

Strukturelle, aber auch textbezogene Vorgaben

Die Inhalte sind so konsistent in ihrer Struktur. Für mich unerlässlich damit verbunden sind Content Templates. Denn Autoren lediglich eine Struktur vorzugeben, ist zu wenig. Um auch Qualität und Konsistenz in Sprache, Stil, Ton, usw. zu erreichen, müssen sie ganz klare Informationen und Anweisungen dazu bekommen.

Die Session von Ute und Monica war eine gute Einführung zum Thema und hat ganz klar die Vorteile von Adaptive Content (Wiederverwendbarkeit, Konsistenz und Qualität, weniger Inhalte, Auffindbarkeit, kosteneffizientes Arbeiten) aufgezeigt.

Noch einmal zurück zu (1), den personellen Strukturen: In der Diskussion wurde deutlich, dass es immer dann haarig wird, wenn es um Personen, ihre Befindlichkeiten und Arbeitsabläufe geht. Structured Content allein ist nicht genug, sondern sollte in meinen Augen immer auch mit Gedanken zu redaktionellen Prozessen verbunden werden.

Ute & Monica in ihrer Session

Ute & Monica in ihrer Session

Buchempfehlung & Tipp

Eine dringende Buchempfehlung für Adaptive-Content-Newbies und Content-Strategy-Interessierte ist übrigens „Managing Enterprise Content: A Unified Content Strategy“ von Ann Rockley und Charles Cooper.

Außerdem hat sich natürlich auch Karen McGrane zu diesem Thema geäußert. Der Vortrag „Adapting Ourselves To Adaptive Content“ ist Spitzenklasse!

Margot Bloomstein via Google-Hangout

Das bringt mich auch gleich zum Google-Hangout mit Margot Bloomstein. Hört selbst, was sie erzählt hat.

Und eines noch: Während auf der Confab im letzten Jahr hauptsächlich Technologien, Responsive Design und Adaptive Content besprochen wurden, erzählte Margot von einem ganz klaren Fokus auf personelle Prozesse auf der heurigen Konferenz.

„The core of content strategy are people processes. (…) It’s good to come together to talk about this people issues.“ (Margot Bloomstein im #cosca13-Google-Hangout)

Das bestätigt meinen Eindruck, dass der Erfolg einer Content Strategy immer, wirklich IMMER, von einem effektiven und gleichzeitig rücksichtsvollen Management personeller Prozesse abhängt und dass wir intensiv über Organisationswandel nachdenken müssen. Gleichzeitig denke ich, dass die Diskussion in der Content-Strategy-Community in diesem Zusammenhang auch interessante wissenschaftliche Fragestellungen aufwirft, die hoffentlich früher oder später die Disziplin auf eine akademische Ebene heben werden.

Us vs. The Rest Of The World

In einer kleinen Diskussionssession stellten Doris Eichmeier und ich die Frage an die Teilnehmenden, wie Content-Strategen sich in der Organisation durchsetzen können. Ihre Erfolgsaussichten sind dabei meist nicht sehr vielversprechend.

Content-Strategen, Web-Redakteure, Online-Kommunikationschefs und alle weiteren Content People in der Organisation haben ein Problem: Niemand hört ihnen zu. Außerdem nimmt sie niemand richtig ernst, niemand teilt ihnen Ressourcen zu oder verleiht ihnen die nötige Entscheidungskompetenz. Warum ist das so? Vielleicht weil andere Mitarbeiter oder Abteilungen sich durch ihre Forderungen bedroht fühlen. Oder vielleicht stehen ihnen persönliche Befindlichkeiten dabei im Weg, redaktionelle Prozesse und die Entscheidungsstrukturen zu verändern. Vielleicht hat das Management die Bedeutung von Content Strategy für die Gesamtentwicklungsstrategie der Organisation nicht begriffen. Vielleicht ist es eine der 100 anderen noch offenen Möglichkeiten.

Scott-Pilgrim-gegen-den-Rest-der-Welt-Frontpage

„Agents of Change“

Die Erfahrungen, Lösungsvorschläge und Diskussionsthemen waren sehr vielfältig. Hängengeblieben ist bei mir vor allem eines: Der Content-Stratege hat definitiv eine Funktion als „Agent of Change“ in der Organisation, wie es Jonathan Kahn nicht müde wird zu betonen. Das hört sich vielleicht ein wenig großspurig an, aber wenn es darum geht, Abteilungssilos aufzubrechen, Bewusstsein für die Notwendigkeit und Sinnhaftigkeit von Content Strategy zu schaffen und Ängste, Befürchtungen und Ressentiments der beteiligten Personen abzubauen, dann ist es unsere Aufgabe, zu vermitteln, zu erklären und vorzupreschen.

Doris beschrieb wortgewandt einen Case aus ihrem Arbeitsalltag. Dabei ging es vor allem darum, das Vertrauen der Marketingchefin zu gewinnen und sie „mit ins Boot zu holen“. Denn wenn sich die zentrale Mitarbeiterin im Content-Lifecycle nicht committet, können die Handlungsempfehlungen des Content-Strategen noch so gut sein, sie werden nicht fruchten. Mit viel Geduld konnte Doris nach einiger Zeit ihr Ziel erreichen und arbeitet mittlerweile mit der Marketingleiterin produktiv und kooperativ zusammen.

An diesen Beispielen sollten wir uns geistig festhalten, wenn wir wieder einmal der Meinung sind, die Organisation wäre absolut starr, unbeweglich und jedweder Veränderung gegenüber unzugänglich. Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen: Im Kleinen anfangen und Überzeugungsarbeit leisten, das ist glaube ich der Schlüssel.

Dankeschön!

Ein großes Dankeschön geht an Thomas Pleil und Sascha Stoltenow für die perfekte Organisation des #cosca13 und die zuvorkommende „Betreuung“ vor Ort.

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Alles Weitere zum Content-Strategy-Camp

Twitter-Hashtag: #cosca13
#cosca13-Nachberichtertattung Linksliste
Zusammenfassung der h_da-Studis auf Storify

4 Gedanken zu „Content-Strategy-Camp 2013: Meine Glanzlichter & wichtigsten Learnings

  1. Ich freue mich endlich mal was ausführlicher über Content Strategy zu lesen, da ich der Meinung bin wenn man seine Kunst verkaufen möchte auch eine Art der Content Strategy verfolgen sollte wenn man einigermasse ein wenig Erfolg haben will

  2. Hallo Brigitte, dein Blogbeitrag zeigt, dass die Leute, die beim „Inhaltsstrategie“ Camp waren, auch selbst inhaltlich richtig was drauf haben. Ich finde jeden einzelnen Blogbeitrag, den ich im Nachhinein vom Camp lese, echt klasse. So was hab ich nach einem Barcamp noch nicht erlebt! In diesem Sinne freue ich mich schon sehr drauf, wenn es das nächstes Jahr wieder gibt!

    • Hey Ute, das finde ich auch. Das #cosca13 war insgesamt super und ich freue mich vor allem darüber, viele „Gleichgesinnte“ kennengelernt zu haben, die alle unterschiedliche Perspektiven, Jobs und fachliche Fokussierungen haben. Also hoffe ich, dass wir uns alle im nächsten Jahr wiedersehen (zwar ein bisschen älter, dafür weiser :)).

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