Dare Conference London: Nur Mut!

Es ist nicht leicht, anderen Menschen die eigene Geschichte zu erzählen – vor allem dann, wenn es nicht um große Erfolge, sondern um Scheitern, Verzweiflung und Probleme geht. Auf der Dare Conference in London bewiesen Referenten und Teilnehmende aus 12 Ländern den Mut, über ihre eigene Fehlbarkeit zu sprechen und erzählten von ihren persönlichen Erfahrungen und Perspektiven bei der Arbeit in digitalen Projekten.

The Purcell Room, London Southbank

The Purcell Room, London Southbank

„People skills for digital workers“

Unter diesem Motto stand die erste Dare Conference, die am 24. und 25. September in London stattfand. Organisator und Content-Stratege Jonathan Kahn (@lucidplot auf Twitter) beschäftigt sich seit geraumer Zeit mit dem großen Themenkomplex „Change in Organizations“ und rückte mit der Konferenz die häufig außer Acht gelassenen „People Components“ bei digitalen Projekten ins Zentrum der Aufmerksamkeit.

„Every problem we face at work begins and ends with one or more people.“
(Nishant Kothary)

Das Thema hat gleich mein Interesse geweckt, denn in den Projekten, in die ich bisher Einblick hatte, gibt es immer ein zentrales Problem, das unabhängig von perfekter Planung und Umsetzung, Arbeitspaketen, Meilensteinen und dem Projektumfang besteht – aber nicht minder erfolgskritisch ist: Menschen, ihre Probleme, Befindlichkeiten und Gefühle.

Hinfallen und wieder aufstehen

Gescheiterte Projekte, Misserfolge, Kritik – wir alle fürchten uns davor und wollen diese Dinge in unserer täglichen Arbeit möglichst vermeiden. Egal, wie sehr wir uns ins Zeug legen, wie motiviert, engagiert und ehrgeizig wir sind: Fehler passieren trotzdem. Manchmal sind sie absehbar, machmal treffen sie uns überraschend aus dem Nichts. Wir wissen, dass das so ist. Dennoch

  • sind wir von Vornherein davon überzeugt, dass alle anderen besser, schlauer, kreativer, witziger und kompetenter sind als wir – was nicht stimmt! -,
  • erleiden wir persönliche Zusammenbrüche, wenn wir merken, dass wir einer Sache nicht gewachsen sind oder uns etwas misslingt oder
  • projizieren wir unsere eigenen Unzulänglichkeiten auf Kollegen, Mitarbeiter, Chefs oder die äußeren Umstände.

„It’s ok to not constantly telling yourself you’re not good enough.“
(Karen McGrane)

Naming the elephant

Das Besondere an der Dare Conference waren die vielen persönlichen Geschichten, die auf sehr ehrliche und uneitle Weise erzählt wurden. Über Depressionen, „personal breakdowns“ und Selbstzweifel wurde offen gesprochen – Themen, die in der professionellen Diskussion meist keinen Raum haben, weil sie unbequem sind und es Mut erfordert, die eigenen Unzulänglichkeiten auf das Tapet zu bringen. Und wer glänzt nicht lieber im Rampenlicht, als den anderen und sich selbst die eigenen Schwächen einzugestehen?

Es ist nicht leicht, zu akzeptieren, dass man fehlbar ist. Indem auf der Dare Conference sehr erfolgreiche Menschen von ihren persönlichen Ängsten und Problemen erzählten, traut man sich auch selbst, neuen Mut zu fassen, über den Tellerrand zu blicken und Risiken nicht von Vornherein auszuweichen.


„Courage requires vulnerability“

Die Psychologin Nina Burrowes machte in ihrem sehr sehr guten Vortrag einen für mich wichtigen Punkt:

„If I can do something without having fear, I don’t need courage for it.“

Angst ist also nötig, um überhaupt mutig zu sein bzw. sein zu müssen. Wir können nur wachsen, wenn wir unsere „Comfort Zones“ verlassen und wieder auf das Pferd steigen, das uns (vielleicht schon Dutzende Male) abgeworfen hat und versuchen, es diesmal besser zu machen.

„Courage is a choice. It’s chosing to step our of your comfort zone.“

Nur Mut!

Neue Projekte starten, die andere für lächerlich oder nicht erfolgversprechend halten. Die eigenen Misserfolge akzeptieren und daraus lernen. Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten und Kompetenzen haben. Sich selbst und andere ermutigen, etwas zu wagen, kreativ und innovativ zu denken. Versuchen, die Menschen und ihre Befindlichkeiten zu verstehen.

Das alles hört sich sehr simpel an, hat man es erst einmal Schwarz auf Weiß vor sich. In unserem beruflichen und privaten Alltag nehmen solche Reflexionen auf die eigene und andere Personen jedoch häufig nicht genug Raum ein. Wir können besser werden – aber wir müssen den Mut haben, daran zu arbeiten.

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Dare Conference im Web

Auf der Website der Dare Conference kann man sich die Vorträge auch im Nachhinein noch einmal anschauen.

Besonders empfehlenswert:

Tolle Blogposts zur Dare Conference gibt es zum Beispiel von Sara Wachter-Boettcher (@sara_ann_marie auf Twitter) und von Meghan Seawell (@m3ggiesue auf Twitter).

Twitter-Hashtag: #dareconf

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