Premiere: Der erste UX Day Graz

Auch in Graz feiern wir den World Usability Day! Vergangenen Samstag zum ersten Mal ganz offiziell – mit dem ersten UX Day Graz an der TU. Die Veranstaltung gibt es künftig jedes Jahr. Sie dient als Diskussionsforum, Präsentationsplattform und Networking-Space für die heimische Community. Eine super Initiative, organisiert von Keith Andrews (TU) und Konrad Baumann (FH Joanneum). Hier mein schneller inhaltlicher Abriss.

Keynote von Johanna Kollmann zu Agile & UX

Die Integration von UX Designern in agile Prozesse ist ein aktuelles und vordringliches Thema – augenscheinlich: Lukas Fittl sprach am UX Camp Vienna eine Woche zuvor über seine Sicht der Dinge. Am UX Day Graz gab Johanna Kollmann in ihrer Keynote „Collaboration. Customers. Conflict? Bridging the Gap between Agile & UX“ einen Überblick über den State of the Art und erzählte aus ihrer persönlichen Erfahrung als Designerin.

„Agile is becoming standard“

Die FH-Joanneum-Absolventin arbeitet bei Sidekicks Studios in London und sieht agile Entwicklung als einen „really well adopted approach“, der auch für Designer immer mehr an Bedeutung gewinnt. Sie verwies in ihrem Talk u.a. auf das Agile Manifesto, Eric Ries‘ „The Lean Startup“ und bot konkrete Lösungsvorschläge an, wie Designer in agile Prozesse integriert werden können.

Modell agiler Entwicklungsprozess; Quelle: Keynote Johanna Kollmann

Modell agiler Entwicklungsprozess;
Quelle: Keynote Johanna Kollmann

Interessant war vor allem ihre Problemanalyse: Weil agile Entwicklung rein auf den Outcome fokussiert sei, bliebe für Designer kaum Zeit, sich Strategien zu überlegen oder konkrete Analysen und Research durchzuführen – das wäre immer der erste Teil, der bei Ressourcenknappheit gestrichen würde.

„There is such a focus on delivery as outcome of the sprints. This results in only acting tactical. (…) But features doesn’t mean you get a good product in the end.“

Johanna Kollmann

Johanna Kollmann

„Make research a habit“

Kollmann motivierte Designer, ihren Platz im Team einzufordern, sich als Teil desselben zu betrachten und sich den Weg dorthin selbst zu ebnen. Damit einher geht auch der Zugang des Teams zu Research, die fix in den Workflow integriert werden müsse.


Keynote von Rolf Molich zu Usability Testing

In seiner Keynote am Nachmittag plädierte Rolf Molich von DialogDesign in Dänemark für einen professionellen Zugang zum Usability Testing. Dieser zeige sich u.a. in der Wahl der Methoden und ihrer Zusammensetzung, aber auch in ihrer Qualität. Nach meiner Erfahrung gibt es hier definitiv Aufholbedarf, denn nicht „jede/r“ kann Usability Tests so durchführen, dass die Ergebnisse fundiert sind und Relevanz haben. Wie bei jeder empirischen Erhebung braucht es umfassende Methodenkompetenz und entsprechendes Hintergrundwissen.

„Usability professionals must be highly usable“

Das erste Dogma in Molich’s Präsentation und für mich hochrelevant. Usability-Fachleute bewerten die Usability von Produkten. Ihre eigenen Produkte (z.B. Ergebnispräsentationen) sind aber häufig alles andere als verständlich, brauchbar und sinnvoll. Eine intelligente Beobachtung, die dazu führen muss, über die eigene Arbeit, ihre Ausführung und Qualität nachzudenken.

„Sweep before your own door before you sweep the doorsteps of your neighbours.“

„Myths about Usability Testing“

Auch das Publikum wurde einbezogen: Molich präsentierte fünf Aussagen zu Usability Testing (siehe seine Präsentation) und ließ die Teilnehmer mittels bunten Zetteln abstimmen, ob sie übereinstimmten oder nicht. Cooles und lustiges Experiment mit Lerneffekt. Besonders interessant fand ich den Schluss zum Statement „The main goal of a usability test is to find usability problems“. Lösung: Richtig – aber die Tests haben auch die Aufgabe, skeptische Stakeholder davon zu überzeugen, dass bestimmte Probleme existieren und gelöst werden können.

Diese Präsentation von Rolf Molich ähnelt inhaltlicher jener vom UX Day Graz 2013.


Panel Discussion, Responsive Design & Projektvorstellungen

Neben den Keynotes war die von Keith Andrews moderierte Panel Discussion mit Rolf Molich, Johanna Kollmann, Konrad Baumann und Max Scheugl hörenswert. Es wurde über zukünftige Herausforderungen im UX Design gesprochen. Auf’s Tapet kamen viele unterschiedliche Aspekte, u.a. die Breite der Disziplin, ihr Verhältnis zu anderen Fachbereichen (IxD, IA, HCI, UCD, Content Strategy, usw.) und mögliche Trends. Als zukünftige Notwendigkeiten wurden qualitätsvolle Ausbildungen, Kompetenzdefinitionen eines UX Designers und „established standards for the discipline“ (Rolf Molich) identifiziert.

Panel Discussion am UX Day Graz

Panel Discussion am UX Day Graz

Außerdem hat Organisator Keith Andrews am Nachmittag einen Vortrag über Responsive Design gehalten. Und in 2-minütigen Kurzpräsentationen wurden von Teilnehmenden aktuelle UX-Projekte vorgestellt – da waren wirklich coole Sachen dabei.

Initiative für die österreichische UX Community

Um die österreichische Szene zusammenzubringen und zu stärken erzählte Sandra Murth von ihrem Plan, eine der German UPA ähnliche Initiative auch in Österreich zu starten. Thumbs up!

Termin und Ort für den nächsten UX Day Graz stehen auch bereits: 15.11.2014 an der FH Joanneum.

Twitter-Hashtag der Veranstaltung: #uxday

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