Content Strategy Forum 2014: Professionalisierung auf dem Vormarsch

Zum ersten Mal kamen wir Leutchens aus dem deutschsprachigen Raum in den Genuss einer Konferenz speziell zum Thema Content Strategy: Das Content Strategy Forum 2014 in Frankfurt war international besetzt, unter den Gästen traf ich nette Kolleginnen und Kollegen und in den drei Tagen habe ich besonders viel gelernt. Positiv habe ich vor allem die Professionalisierung der Disziplin wahrgenommen, die auch durch die Konferenz insgesamt zum Ausdruck gebracht wird.

Vor ein paar Jahren beschäftigten sich hierzulande noch sehr wenige Agenturen, Organisationen und Einzelpersonen mit Content Strategy und ihrer Bedeutung für die digitale Kommunikation. Mit der Konferenz hat die Disziplin jedoch endlich die Bühne bekommen, die sie meines Erachtens auch verdient. Was mit dem Content Strategy Camp von Thomas Pleil in Dieburg 2013 begonnen hat, findet mit dem Content Strategy Forum eine logische Fortsetzung: Diskussion führt zu Professionalisierung, Netzwerkaufbau zu einer Fachcommunity und Erfahrungsaustausch zu erheblichem Know-how-Gewinn.

Content Strategy Forum: Viel passiert

Das Programm reichte von allgemeinen Beiträgen über die Disziplin Content Strategy, ihre Entwicklung und Zukunftsperspektiven über die Online-Kommunikation von international tätigen Konzernen und Digitalagenturen bis hin zur Vorstellung konkreter Einzelprojekte und Vorgehensweisen.

Eine Zusammenfassung von Präsentationen, Tweets, Bildern und Blogartikeln hat Klaus Eck auf Medium.com publiziert. Außerdem sammelt die globale CSF-Initiative Slides und Write-ups zur Konferenz. Auf dem CSF 2014 Youtube-Channel gibt es interessante Interviews mit Speakers und Gästen zu sehen.

Meine spannendsten Themen: Users first, agile Entwicklung & Governance

In vielen Talks wurde der Fokus auf die NutzerInnen betont. Dass die UserInnen, ihre Wünsche, Bedürfnisse und Erwartungen der Ausgangspunkt für Online-Kommunikation sein müssen, ist bekannt. Dennoch wird meines Erachtens noch viel zu oft darauf „vergessen“.

In diesem Zusammenhang interessieren mich vor allem Möglichkeiten, wie der Approach „Users first“ in Projekten umgesetzt wird – vor allem, weil wir an der FH Joanneum auch so arbeiten. Agile und iterative Entwicklung, die auf User Research beruht, scheint in Content- und Design-Projekten auf dem Vormarsch. Eine Methode, die es erlaubt, schnell Prototypen zu entwickeln, anschließend zu testen und zu adaptieren – und das in mehreren Durchgängen. Das erscheint mir als eine der sinnvollsten Methoden, um vor allem riesengroße Content-Projekte abzuwickeln.

Paradebeispiel gov.uk: Rapid Prototyping

Ein fabelhaftes Beispiel hat Leisa Reichelt in ihrem Talk User Centered Government präsentiert: Gov.uk ist die Website der britischen Regierung, die alle Informationen für die BürgerInnen in brauchbarer Form bereitstellt. Gearbeitet wird daran mittels Rapid Prototyping: In zweiwöchigen Sprints werden einzelne Aufgaben gelöst.

Das Team folgt einer testbasierten Methodik (Build – Measure – Learn):

  1. Educated Guessing: Alle Ideen werden gesammelt und dokumentiert – immer mit dem Nutzer im Hinterkopf.
  2. Apply Data: Die entwickelten Ideen werden mit Web Analytics, Marktforschung und Daten aus Call-Centers gegengecheckt.
  3. Talk to real people: Neben den quantitativen Daten ist es besonders wichtig, mit realen Personen zu sprechen. Auch, wenn es nur wenige sind.

Schließlich geht eine Beta-Version online. Und erst, wenn sie besser ist als die ursprüngliche Site, wird umgestellt.

Dieses Video aus 2013 gibt einen guten Einblick in das gesamte Projekt:


Und natürlich: Governance

Alle Content-Strateginnen und -Strategen sind sich über eines einig: Die People Components sind in Projekten erfolgskritisch und können zum sprichwörtlichen Haxlbrecher werden.

„The people part is the part that’s tricky“ (Hilary Marsh)

Wer die wichtigen Stakeholder und MitarbeiterInnen in der Organisation nicht auf seiner Seite hat, kann gleich wieder einpacken. Diplomatische Geschick ist unumgänglich, wenn es darum geht, die Teile des „People Puzzle“ (Hilary Marsh) zusammenzusetzen. Am Content Strategy Forum gab es mehrere sehr gute Talks zum Thema:

  1. Kate Kenyon: Living the content dream. Tricks to get you from theory to practice
  2. Hilary Marsh: Managing the Politics of Content
  3. Kerry-Anne Gilowey: The People Puzzle. Making the Pieces Fit
Die Agenda von Content-Strateginnen und -Strategen laut Hilary Marsh

Die Agenda von Content-Strateginnen und -Strategen laut Hilary Marsh

Mein Fazit: Nur weiter so!

Die Community ist existent und vernetzt sich. Ich habe viele bekannte Gesichter am Content Strategy Forum gesehen und positive Berichte über laufende Content-Projekte von Kolleginnen und Kollegen gehört – das macht Mut. Die Vorträge waren inhaltlich gut gemischt und ich konnte viel für meine eigene Arbeit mitnehmen. Wie eingangs erwähnt finde ich es aber besonders bemerkenswert, dass die Professionalisierung von Content Strategy voranschreitet – die Konferenz hat viel dazu beigetragen.

Ein lautes Dankeschööön geht an Sascha Stoltenow und sein Team für die perfekte Vorbereitung der Konferenz und die reibungslose Abwicklung vor Ort. Der Besuch in Frankfurt wird mir sicher in bester Erinnerung bleiben.

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